Semsrott über Zivilgesellschaft„Wir müssen in die produktiven Konflikte gehen“

taz: Herr Semsrott, angesichts der Umfragewerte der AfD macht sich Fatalismus breit. Einige planen gar ihre Flucht. Wie umgehen mit diesen Ohnmachtsgefühlen?

Semsrott: Es fängt damit an, sich zu vergegenwärtigen, dass die Erzählung von der Ohnmacht und der gleichzeitigen Stärke der extremen Rechten zuerst von denen selbst kommt – es ist eine Kampagne, die der AfD in die Hände spielt. Deswegen sind Recherchen wie die kürzlich von der taz so wichtig, die zeigen, dass die AfD trotz ihrer hohen Umfragewerte reihenweise Kommunalwahlen verliert. Natürlich ist es kein Grund zur Freude, wenn die AfD nur 40 und nicht 60 Prozent bekommt. Aber es rückt die Perspektive gerade: Überall gibt es Widerstand und Initiativen für die offene Gesellschaft, die sich engagieren, oft gehen diese nur medial unter.

Interview Gareth Joswig mit Arne Semsrott

taz 9.6.2026