Martin Sellner kennt man vor allem als einer der Initiatoren des Potsdamer Treffens, bei dem Rechtsextreme und AfD-Vertreter über sogenannte „Remigration“ diskutierten. Der österreichische Rechtsextremist und frühere Sprecher der Identitären Bewegung hat in Sachsen-Anhalt eine Firma gegründet. Die „Institut für Remigration Martin Sellner (NGO) UG (haftungsbeschränkt)“ wurde am 31. August 2026 beim Amtsgericht Stendal eingetragen. Als Sitz ist Magdeburg angegeben, die Geschäftsanschrift liegt jedoch in Chemnitz. Sellner wird als Geschäftsführer genannt.
Warum das wichtig ist
Es geht nicht nur um eine Firmengründung. Das Institut hat ein 49-seitiges Strategiepapier zur Migrationspolitik in Sachsen-Anhalt veröffentlicht. Darin wird skizziert, welche Maßnahmen eine mögliche AfD-geführte Landesregierung in den ersten 100 Tagen ergreifen könnte. Vorgeschlagen werden unter anderem ein eigenes „Landesamt für Remigration“ – damit einhergehen soll eine strengere Abschiebepraxis, die Überprüfung bestehender Duldungen und zentrale Ausreiseeinrichtungen. Ziel ist, Sachsen-Anhalt zu einem „Remigrationsmusterland“ zu machen.
Was bedeutet „Remigration“ hier?
Das Papier richtet sich nicht nur gegen Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus. Als mögliche Zielgruppen nennt es auch Ausländer mit legalem Aufenthalt, die als „belastend“ oder nicht ausreichend assimiliert eingestuft werden, sowie Angehörige sogenannter „Parallelgesellschaften“. Nach Darstellung des Flüchtlingsrats Sachsen-Anhalt werden dabei auch Deutsche mit Migrationsgeschichte in das ideologische Konzept einbezogen – obwohl deutsche Staatsangehörige rechtlich nicht abgeschoben werden können.
Der Flüchtlingsrat kritisiert die Pläne scharf. Der Begriff „Institut“ erwecke einen wissenschaftlichen Eindruck, sei aber rechtlich nicht geschützt. Die Bezeichnung „NGO“ könne zudem den Eindruck politischer Unabhängigkeit vermitteln. Der Flüchtlingsrat bewertet das Papier als Ausdruck eines rassistischen und völkischen Gesellschaftsbildes.
Politischer Kontext
Bei der Landtagswahl vom 6. September 2026 wurde die AfD mit 43,8 Prozent stärkste Kraft in Sachsen-Anhalt. Sie erhielt 39 der 83 Sitze und verfehlte damit die absolute Mehrheit von 42 Sitzen. Ob und wie sie an einer Landesregierung beteiligt wird, war nach der Wahl offen.
Vor dem Hintergrund der Landtagswahl Anfang September 2026 – die AfD wurde stärkste Kraft und könnte bald regieren – ist das mehr als nur Papier. Es zeigt, welche Ideen gerade im Hintergrund kursieren und wie schnell sie in Politik übersetzt werden könnten. Genau hinschauen bleibt also wichtig.






