Fake oder Fakt? Wie man nicht seinen Verstand verliert!

Fake oder Fakt? Wie man nicht seinen Verstand verliert!

„Der ideale Untertan der totalitären Herrschaft ist nicht der überzeugte Nazi oder der engagierte Kommunist, sondern Menschen, für die die Unterscheidung zwischen Fakt und Fiktion, wahr und falsch, nicht mehr existiert.“ Diese klugen Worte hat uns schon Hannah Arendt mit auf den Weg gegeben. Wie aber soll man nicht den Verstand verlieren in Zeiten des „Flood the zone with shit“, in Zeiten, in denen unendlich viele Informationen auf uns einprasseln, Falschmeldungen nicht mehr nur mit aus dem Zusammenhang gerissenen Fotos bebildert werden, sondern KI gleich zu jeder Lüge das passende Video erstellt und jeder Person alles in den Mund gelegt werden kann? Wie soll man da noch den Überblick behalten, was wahr ist und was falsch?

Medienkompetenz bei Jugendlichen

Auch viele Jugendliche beschäftigt das Thema. Wenn wir als OMAS GEGEN RECHTS Schulen besuchen, stoßen wir auf einige Schüler:innen mit einer Medienkompetenz, vor der wir nur den Hut ziehen können, aber auch auf solche, die der Informationsflut ratlos gegenüberstehen. Vielleicht hilft es, sich zu vergegenwärtigen, dass es viel wichtiger ist, Quellen zu haben, denen man vertrauen kann, als jede Falschmeldung erkennen zu können. Gefährlicher, als auf eine Lüge hereinzufallen, ist es, die Wahrheit nicht mehr zu glauben. Genau darum werden fundierte Wissenschaft und hochwertiger Journalismus von rechts und rechtsaußen so vehement angegriffen.

Wie unser Gehirn funktioniert: Warum emotionale Nachrichten schneller viral gehen

Die Verbreiter von Fake News machen sich außerdem die Funktionsweise unseres Gehirns zunutze. Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, auf Gefahren schnell zu reagieren und bei dem Gefühl der Sicherheit Energie zu sparen. Darum reagieren wir kaum auf gute Nachrichten und sachliche, differenzierte Informationen mit erhöhter Aufmerksamkeit, aber schalten bei empörenden und Ängste schürenden Nachrichten sofort in den Alarmmodus. Populisten zielen mit ihrem Dauerfeuer an Falschnachrichten oder Halbwahrheiten auf die systematische emotionale Aufwiegelung ihrer Anhänger. Dabei folgen sie einer Opfer-Rächer-Logik. Gruppen von Menschen werden zur Gefahr erklärt, gegen die man sich wehren muss. Mit dem Gefühl, gemeinsam Rache an den zu Feindbildern erklärten Menschen verüben zu können, werden Ohnmachtsgefühle überwunden. Schon das Weiterleiten der aufwiegelnden Meldungen fühlt sich danach an, aktiv etwas gegen die Bedrohung tun zu können. Darum verbreiten sich emotionalisierende Falschnachrichten viel schneller als sachliche Aufklärung und werden von den digitalen Plattformen gezielt bevorzugt. Es ist daher kein Zufall, dass z.B. die AfD ihre KI, mit der sie am Fließband Social-Media-Posts erzeugt, darauf trainiert hat, möglichst viel Wut zu erzeugen.

So prüfst du Nachrichten kritisch

Um nun selbst keine Fake News zu verbreiten, sollte man sich daher, bevor man eine Nachricht weiterleitet oder weitererzählt, immer fragen: 
1. Ist das wirklich glaubwürdig?
 2. Welche Absicht steht dahinter? Ist eine Nachricht, selbst wenn sie in unser Weltbild passt, bei näherer Betrachtung unwahrscheinlich oder soll eine Information erkennbar Angst, Empörung, Wut oder Hass auslösen, ist das eine Red Flag und man sollte diese Nachricht lieber überprüfen, bevor man sie weiterträgt.

Und hier kommen seriöse Quellen ins Spiel:
3. Was ist die Quelle der Nachricht? 
4. Wird sie durch andere Quellen bestätigt? Es gibt dabei gute Gründe, verschiedenen Quellen unterschiedlich viel Vertrauen entgegenzubringen. Grundsätzlich ist es ja für die meisten Personengruppen, auch für Politiker:innen, nicht verboten, zu lügen. Nur weil irgendjemand etwas behauptet, ist das noch kein Indiz für den Wahrheitsgehalt. Wenn aber jemand immer wieder anhand von Quellen, die über andere bloße Behauptungen hinausgehen, überprüfbar die Wahrheit sagt, darf ich der Person durchaus vertrauen. Umgekehrt ist eine Person, die beim Lügen erwischt wurde, natürlich nicht mehr vertrauenswürdig.

Pressekodex, Medien und die Rolle des ÖRR

Für Journalist:innen gilt dabei etwas anderes. Diesen verbietet der Pressekodex, zu lügen. Das verhindert zwar nicht, dass in Medien trotzdem gelogen wird, ich kann mich aber über die Seriosität einer journalistischen Quelle informieren. Nius zum Beispiel, hält sich grundsätzlich nicht an den Pressekodex und scheidet daher als zitierfähige Quelle aus. Die Bild-Zeitung unterwirft sich zwar grundsätzlich dem Pressekodex, fängt sich aber eine Rüge nach der anderen wegen Verletzung des Pressekodex beim Presserat ein. Wird aber eine Nachricht in mehreren seriösen Medien vermeldet, ist das ein starkes Indiz für ihren Wahrheitsgehalt. Bei Medien besteht natürlich auch immer die Gefahr, dass die Berichterstattung den Interessen ihrer Eigentümer und Investoren entspricht oder ebenfalls auf Emotionalisierung gesetzt wird, um sich besser zu verkaufen. Bin ich als Journalist:in finanziell auf Reichweite angewiesen, komme ich nicht daran vorbei, dass wir Menschen starken Emotionen mehr Aufmerksamkeit schenken als nüchterner Information. Darum gibt es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die Idee ist, dass wir einen Rundfunk haben, der nicht auf die Zuweisung von Steuergeldern durch die Politik angewiesen ist und trotzdem von uns allen finanziert wird. Erst dadurch, dass der als Zwangsgebühr verunglimpfte Rundfunkbeitrag auch dann gezahlt werden muss, wenn mir das Programm nicht gefällt, sind die Journalist:innen des ÖRR wirklich unabhängig. Erst dadurch werden auch tolle lokale Programme und Programmbeiträge über Themen, die nur ein kleines, aber hochinteressiertes Publikum finden, möglich. Vor allem aber muss der ÖRR nicht auf Emotionalisierung setzen. Klar, ärgern auch wir OMAS uns, wenn Programmverantwortliche vor den rechten Angriffen auf den ÖRR erkennbar zittern, statt sich ihnen selbstbewusst entgegenzustellen, und Journalist:innen und Moderator:innen glauben, sich strikt neutral zwischen Wahrheit und Desinformation verhalten zu müssen oder nicht sauber zu recherchieren. Nicht jede Meinungsäußerung ist seriös, nur weil sie im ÖRR ausgestrahlt wurde. Dennoch bietet der ÖRR viele gute Informationsmöglichkeiten. Fehler passieren, werden aber in der Regel berichtigt und offengelegt.

Faktenchecker und wissenschaftlicher Konsens

Besonders hilfreich, um Informationen zu prüfen, sind außerdem Faktenchecker. Hier gibt es eine ganze Reihe empfehlenswerter Faktenchecker, die überprüfte Informationen verbreiten und an die man sich auch zur Überprüfung von Informationen wenden kann, zum Beispiel Mimikama.

Die höchste Glaubwürdigkeit aber haben wissenschaftliche Quellen und sind daher auch heftigen Angriffen von rechts ausgesetzt. Natürlich kann ein einzelner Wissenschaftler großen Unfug erzählen, aber wissenschaftliche Evidenz und wissenschaftlicher Konsens sind keine bloße Meinung. Wissenschaftler:innen arbeiten nämlich nicht, indem sie ihre These zu belegen versuchen, sondern indem sie sie zu widerlegen versuchen. Kann eine These in einem valide aufgebauten Experiment oder einer validen Studie nicht widerlegt werden, besteht wissenschaftliche Evidenz für diese These. Nach Veröffentlichung prüfen andere Wissenschaftler:innen, wie valide die Studie ist und ob es andere Möglichkeiten gibt, die These zu widerlegen. Dabei ist es natürlich möglich, dass Thesen, für die wissenschaftliche Evidenz besteht, doch noch widerlegt werden und es neue wissenschaftliche Erkenntnisse gibt. Lässt sich das gleiche Ergebnis aber immer wieder reproduzieren und niemand kann die These widerlegen, kommt es irgendwann zu wissenschaftlichem Konsens. Wir tun sehr gut daran, Erkenntnisse, über die wissenschaftlicher Konsens besteht, als Fakten anzuerkennen. Weil nun unser Gehirn so funktioniert, wie es funktioniert, gehen Faktenchecks und wissenschaftlich geprüfte Informationen eher nicht viral. Wer gut informiert sein will, muss aktiv werden. Aber es gibt keinen Grund zu glauben, wir könnten zwischen Fakten und Fiktion nicht mehr unterscheiden.


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