So rief erstaunt ein junger Mann, nachdem er schon fast an unserem Kaffeetisch vorbei gehetzt war. Er kam wieder zurück. Für einen Kaffee hat ihm die Zeit nicht gereicht, aber er musste uns doch noch schnell sagen, wie gut er es findet, dass es uns tatsächlich gibt.
Ja, es gibt uns und wir standen heute wieder mit unserer Kaffeetafel vor dem Alleecenter in Essen-Altenessen. Wie die Male vorher, hörten wir zu, sprachen mit den Leuten über ihre Sorgen, ihre Wünsche und wie man ihren Interessen demokratisch Gehör verschaffen kann.
Etliche Frauen und Männer blieben stehen und einige setzten sich auch trotz der Kälte zu uns. Mit den Händen um die heiße Kaffeetasse tauschten wir uns aus. Wir lernten mehr über den Stadtteil Altenessen, der als problematisch gilt und wo viele Menschen große Probleme haben. Uns wurde von Arbeitslosigkeit erzählt, von Wohnungsnot, von der Rente, die vorne und hinten nicht reicht. Aber auch von den vielen Initiativen, von den Engagierten, die den Stadtteil lebendig und lebenswert machen.
Und dann war da noch der eine, der uns für gefährliche Linksextremisten hält, der uns alle seine Wahrheiten in die Ohren geschrien hat, dass COVID eine Erfindung von Bill Gates ist, dass Atomstrom der billigste Strom der Welt ist und alle Länder um uns herum haben billigen Atomstrom und hier verhindern das solche wie wir, und der Tsunami, der in Japan ein Atomkraftwerk zerstört hat, der war auch eine Lüge. Woher er das weiß? Ja aus dem Internet natürlich. Und dann noch der Klassiker: Ihr werdet doch bezahlt! Nein, werden wir nicht. Aber auch das hat er im Internet gehört und damit ist es wahr.
„Das Internet“, wie angehen gegen diese mächtige körperlose Instanz? Was anderes können wir anbieten als immer wieder die persönliche Begegnung, den menschlichen Austausch, das echte Interesse?
Uns gibt es wirklich, wir bleiben. Und wir werden nicht bezahlt.




