Mit genZregelt auf der Straße

Mit genZregelt auf der Straße

Am 31.10.2026 rief auch in Essen genZregelt die Jugend auf die Straße. Aus Frust über den desolaten Zustand der Bildungssysteme, aus Wut über die miserablen Zukunftsaussichten, aus Verärgerung darûber, dass Geld für Rüstung da ist, aber nicht für die Verbesserung ihrer Lebensumstände, aus Ablehnung einer Wehrpflicht, mit der sie ihren Kopf hinhalten sollen für eine Gesellschaft, die seit Jahren ihre Bedürfnisse ignoriert.

Und ca. 3500 folgten dem Aufruf, trotz lautstark in allen Medien verbreitetem Alarmismus, jetzt würde die Revolte ausbrechen, Geschäfte geplündert und mindestens Autos in Flammen aufgehen. Die jungen Leute wurden im Vorfeld als verantwortungslose Krawallmacher verunglimpft und den braven Bürger*innen wurde gehörig Angst eingeredet.

Viele Menschen und Fahnen genZregelt 31.10 26

Alles blieb friedlich. Auch die Essener Geschäftsleute hatten sich nicht ins Bockshorn jagen lassen und ihre Geschäfte nicht verrammelt. Die Polizei hielt sich friedlich-freundlich im Hintergrund. Und grob geschätzt etwa ein Fünftel der Demonstrierenden war gar nicht jung. Da waren Eltern und Großeltern unterwegs, auch etliche OMAS GEGEN RECHTS.

Aber sind wir Alten nicht der Feind der Jugend? Sind wir nicht die Besitzstandswahrer, verprassen unsere Renten und nach uns die Sintflut? Haben wir Nachkriegskinder und Boomer es nicht gründlich verkackt?

Hier im Westen ging es uns im Laufe unseres Lebens immer besser. Die Erfahrung unserer Elterngeneration mit Krieg und Naziterror bescherte uns das Grundgesetz, unsere beispielhafte demokratische Verfassung mit unveräußerlichen Menschenrechten. Und selbst die CDU propagierte in ihrem Ahlener Programm 1947 heute streng verpönte linke Ansätze. Die soziale Marktwirtschaft hielt den Kapitalismus im Zaum und bescherte uns u.a. den sozialen Wohnungsbau mit ausreichend Wohnraum zu bezahlbaren Mieten. Mit knappem, aber ausreichendem Bafög konnten endlich auch Arbeiterkinder studieren. Starke Gewerkschaften erstritten die 40 Stunden Woche und erweiterten Arbeitnehmer*innenrechte. Wir erkämpften uns Frauenrechte und stritten auf allen Ebenen für mehr Vielfalt, Toleranz und Akzeptanz und gegen die faschistischen Rückstände in der Gesellschaft.

Aber dann haben wir nicht schnell genug reagiert als es langsam und immer schneller bergab ging. Als mit Ende der DDR und der Sowjetunion der Kommunismus dem Kapitalismus nicht mehr als Drohung gegenüber stand und der Neoliberalismus sich erst schleichend, dann immer gewalttätiger Bahn brach. Als es nicht mehr automatisch für die Kinder besser wurde. Als viel zu viele sich mit einfachen Erklärungen zufrieden gaben und ängstlich das Errungene gegen alle Veränderungen festzuhalten suchten. Als totalitäres Gedankengut Eingang in den politischen Mainstream fand und Unsagbares wieder sagbar wurde. Von der Verdrängung der Klimakatastrophe ganz zu schweigen. Viele, viel zu viele fallen auf rechte Versprechungen herein, oder glauben den etablierten Parteien, dass man heutige Probleme mit Rezepten aus dem vorigen Jahrhundert lösen könnte.

Ja, wir sind mit den Jungen auf die Straße gegangen, wir sind es ihnen schuldig.

Am Rande der Demo trafen sich ELTERN GEGEN RECHTS Bochum mit OMAS GEGEN RECHTS Essen

Fotos: OMAS GEGEN RECHTS Essen



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